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Ausgabe Nr.1
August/September 2001

Konzentrierte Gewerkschaftsarbeit bei OTTO weiterhin gewährleistet
Tarifpolitik am Beispiel „Callcentertarifvertrag"
Tarifvertrag zur Altersvorsorge
Das war die Tarifrunde 2001
Feueralarm!  ÜBUNG!
Echter Alarm in der RT,  im HEW-Gebäude
Nachruf
 
 


Zukunft und Probleme der Tarifpolitik am Beispiel „Callcentertarifvertrag"

Der Arbeitsmarkt und die Arbeitstechniken sind einem rasanten Wandel unterworfen - Beispiel:
Neue EDV-unterstützte Arbeitstechniken bringen Berufsbilder mit sich, die es noch in keinem Tarifvertrag gibt.
Viele Arbeitgeber verlagern diese Tätigkeiten in Callcenter, die nicht tarifgebunden sind. Die Bezahlung liegt teilweise im Sozialhilfeniveau!
Dieses so genannte „Outsourcen" ist nicht mitbestimmungspflichtig - das sind reine Arbeitgeberentscheidungen.
Für die volkswirtschaftlichen Folgen muss die Politik Regelmechanismen schaffen. Die Tarifsituation ist Sache der Gewerkschaften.

Hier müssen alle Gewerkschaften schnellstens handeln!

Für die Beschäftigten in Callcentern gab es erste Aktivitäten:
1. Der OTTO Versand und die ehemaligen Gewerkschaften DAG und HBV wollten mit anderen Versendern einen deutschlandweiten Callcentertarifvertrag schaffen. Dabei ist es uns egal, ob es auch den Arbeitgebern um das Wohl der Beschäftigten ging, oder nur um
Gleichheit im Wettbewerb - die Gewerkschaften sahen die Notwendigkeit, Beschäftigte in neuen Berufsfeldern zu schützen.

2. Die so genannten Mitbewerber sind mit den Argumenten „zu teuer" aus den Verhandlungen ausgestiegen.
 
3. Da Ergebnis ist ein Kompromiss mit Licht und Schatten.

Die Schattenseite:
Bei noch mehr Flexibilität in der Arbeitszeit liegen die neuen Entgelte etwas niedriger, als die des Hamburger Einzelhandelstarifvertrages. Auch wenn es für die alten „Beschäftigten" eine lange Übergangslösung gibt, so haben diese sich doch verschlechtert!

Folge:

Eine ganze Reihe von OTTO´nen aus den KC´s (telefonische Bestellannahmen) klagen vor den Arbeitsgerichten.
Die ersten Urteile besagen: „Die alten Arbeitsverträge, die den Hamburger Einzelhandelstarifvertrag zum Inhalt haben, sind weiter gültig!"

 

 
 
Die Lichtseite:

Weil es allein in Hamburg bereits über 60 verschiedene Callcenter gibt, sind Arbeitgeberverbände aufgewacht. Sie wollen als kalkulierbares Risiko jetzt lieber einen allgemeingültigen Callcentertarifvertrag des Einzelhandels haben, als sich mit dem kaufmännisch unkalkulierbaren Wildwuchs der Callcenterlandschaft auseinanderzusetzen. Wenn es diesen allgemeinen Tarifvertrag gibt, habenGewerkschaften mit den organisierten Beschäftigten einen Hebel, alle Callcenter zu einem Tarifvertrag zu zwingen. Das wird besonders
 
  dort interessant, wo heute noch Menschen für DM 10,- die Stunde arbeiten müssen.
Wenn alle nach einem Callcentertarifvertrag arbeiten, wenn es nicht mehr diese riesigen Gehaltsgefälle gibt, dann gibt es auch keinen Grund mehr zum „Lohndumping". Voraussetzung ist allerdings auch hier die Solidarität der Arbeitnehmer - unorganisierte Trittbrettfahrer schaden sich und anderen nur.
 
 
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