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Neuer KC-Tarifvertrag
für den Hamburger Einzelhandel
Die Pulschlagredaktion fragte den ver.di-Verhandlungsführer Ulrich Meinecke und zwei
Tarifkommissionsmitglieder des OV nach ihren Meinungen.
1) Die Meinung unseres
ver.di-Verhandlungsführers:
Ich finde, dass wir mit dem Call-Center-Tarifvertrag des Hamburger Einzelhandels einen Standard gesetzt haben, der sich sehen lassen kann – vor allem in den externen Call-Centern, bei denen noch vollkommener Wildwuchs bei den Arbeitsbedingungen, bei Urlaub, bei Urlaubsgeld, bei der Eingruppierung und in vielen anderen Fragen herrscht. Wir bieten damit dieser Branche (in Hamburg gibt es allein 5.500 Beschäftigte in 70 externen Callcentern) einen sozialen Standard an. Nun gilt es, diesen auch umzusetzen. Ich hoffe, dass viele Beschäftigte nun an ihren Arbeitgeber herantreten und die Anwendung dieses Tarifvertrages fordern. Ich hoffe auch, dass viele Betreiber externer Call-Center erkennen:
„Ich habe zufriedenere Beschäftigte, wenn ich einen Tarif einhalte und mein Image als Arbeitgeber steigt.“
Basis dieses Call-Center-Branchentarifs war der Haustarifvertrag bei Otto. Als der Otto-Haustarif seinerzeit abgeschlossen wurde, gab es für eine Reihe von Mitarbeitern Abgruppierungen, teilweise um zwei Gehaltsgruppen. Mit dem Branchentarif haben wir dieses teilweise korrigiert: Niemand darf mehr um zwei Tarifgruppen abgruppiert werden, entstehende übertarifliche Zulagen dürfen bis in das Jahr 2005 hinein nur teilweise angerechnet werden, und Otto hat sich verpflichtet, frei werdende Positionen mit Beschäftigten der jeweils nierigeren Tarifgruppe zu besetzen und diese mit Qualifizierungsmaßnahmen zu unterstützen. Insgesamt glaube ich also, dass wir einen guten Standard für die Branche insgesamt geschaffen haben und einen Teil der Ungerechtigkeiten des Haustarifes nachträglich korrigieren konnten.
Ulrich Meinecke
2) Meinung der ver.di - Tarifkommissionsmitglieder Joachim Lamps und Sinisa
Marsicevic:
Die Idee, 1999 mit den damaligen Gewerkschaften DAG und HBV einen KC-Tarifvertrag auszuhandeln, war richtig. Erst bei der Umsetzung des Tarifvertrages in Verbindung mit den beschlossenen Betriebvereinbarungen wurden Schwachpunkte sichtbar. Die Unruhe der MitarbeiterInnen in den KC´s des OTTO Versandes hatten zwei Namen: „Arbeitszeit“ und „Eingruppierung“.
Als Schwerbehindertenvertrauensmann musste ich damals retten, was für diejenigen, denen aus gesundheitlichen Gründen die neuen Schichtzeiten nicht zuzumuten waren, zu retten war. Viele Kolleginnen und Kollegen gingen vor die Arbeitsgerichte – ein unbefriedigender Zustand für alle.
Die erstmalige Möglichkeit, einen KC-Tarifvertrag den Hamburger Einzelhandel abzuschließen, bot die Chance, einige Fehler zu korrigieren, zumal der OV federführend beteiligt war. Verhandelt wurde nicht über das, was in den Manteltarif gehört: z.B. die
Arbeitszeiten etc., sondern es ging um Ergänzungen branchenspezifischer Tätigkeiten.
Verhandlungsergebnisse sind immer Kompromisse, deshalb muss die Ausgangssituation erläutert werden:
Die Bandbreite der Verhandlungsmöglichkeiten ist bestimmt durch den Organisationsgrad und den Arbeitsmarkt. Der Markt besteht aus einer Vielzahl von nicht tarifgebundenen Billiganbietern im KC-Bereich. Vor allem aber sind wir Arbeitnehmer/innen nicht ausreichend gewerkschaftlich organisiert. Der OV hat stets betont, er wolle sich nicht mit den Billiganbietern auf eine Stufe stellen, hat aber auch klargemacht,
dass es kein zurück zu früheren Bedingungen gibt. In dieser schwierigen Situation ist es gelungen einen verbesserten Tarifvertrag auszuhandeln. Für die „KC-Ottonen“ bedeutet dieses:
- Begrenzung der Rückstufung, Anrecht auf Rückkehr in die frühere Tarifgruppe bei freien Plätzen und eine
erhebliche Verbesserung bei der Verrechnung der übertariflichen Zulage.
- Durch die Beschreibung weiterer Tätigkeitsmerkmale wird die Eingruppierungs-Gerechtigkeit verbessert.
Fazit :“Wir haben `rausgeholt, was in der jetzigen Situation zu erreichen war.“
Eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen dürfte sich finanziell verbessert haben – und das ist gut so ! Eine vollständige Rücknahme der Verschlechterungen wurde nicht erreicht, aber:
„Wir haben Rückgrat
!“-
wir bleiben
dran.
Für den Erhalt des Betriebsfriedens erwarten wir eine Weitergabe an alle – nicht nur an die, die sich gewehrt haben.
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