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Ausgabe Nr.6
März 2003

Stress als Krankmacher - die tägliche Überforderung
Betriebsversammlungen, Bauchschmerzen und Antriebskräfte Der gewerkschaftlich parteiische Kommentar
Betriebsversammlungen in den dezentralen Lägern, zusammen und gefasst
Leiharbeiter - Tagelöhner der Zukunft, verpackt in Hartz-Papier
Ladenschluss - das Thema rund um die Uhr
Die Quizfrage: Was passt besser zu Gewerkschaften?
Was tun mit dem Warengutschein?
Die Wahl unserer Schwerbehindertenvertretung
Was war das noch mal ?
Hat der Verkauf der Krankenhäuser wirklich nichts mit uns zu tun?
Jede Menge gute Gründe, warum Sie in der Gewerkschaft sein sollten:
 
 


Stress als Krankmacher - die tägliche Überforderung

Ein kürzlich verlesener anonymer Brief veranlasste mich, einen Artikel, den ich vor über einem Jahr schrieb aber nicht veröffentlichte, neu zu überarbeiten und jetzt doch zu veröffentlichen. Dieses Thema wird leider immer dramatischer.

Viele Kollegen klagen über Teilabbau von Arbeitsplätzen (Kolleginnen und Kollegen mit Vollzeitverträgen gehen in den wohlverdienten Ruhestand, ihre Arbeitsplätze werden aber nicht alle neu besetzt und die neuen Kolleginnen oder Kollegen bekommen nur noch Teilzeitverträge)

  • Komprimierung von Arbeitsabläufen (auch wenn erst mal nur als „Test", doch auf Dauer folgt der bittere Alltag)

  • neue veränderte Arbeitszeiten (um noch flexibler zu sein)

  • Einführung neuer Schichten (auch Einsatz von Leiharbeitskräften)

  • Einführung von Gleitzeit im gewerblichen Bereich

  • Rückkehrgespräche, die diesen Namen in der so geführten Form eigentlich nicht verdienen

  • Dauerbelastungen von Führungskräften (Prognosen, Projekte und Umsetzung, Umsatz etc.) und dadurch zu wenig Kontakt mit den Mitarbeitern.

Im Einzelnen sicher sinnvolle Maßnahmen, doch in der Summe mit immer deutlicher werdenden gesundheitlichen Folgen:

  • Erschöpfungssyndrome

  • Psychosomatische Erkrankungen, z.B. Hörstürze

  • Suchterkrankungen (Alkohol und Tabletten, nur zwei der bekanntesten)

  • Erkrankungen der Gelenke und Wirbelsäule

Nach eventuell überstandener Krankheit der beschriebenen Art erfolgen zu häufig Rückkehrgespräche, etwa mit dem Inhalt: „Wann wird das mit Ihren ewigen Krankheiten besser?", oder „Jetzt müssen wir uns etwas einfallen lassen, denn so geht das nicht weiter", oder „Was gedenken Sie dagegen zu tun?"
Diese und ähnliche Fragen werden von vielen als eine Entlassungsdrohung empfunden und erzeugen zusätzlichen Druck, der Teufelskreis beginnt. Dieser unselige Kreis muss doch endlich mal zu durchbrechen sein. Die Ignoranz der vielen Einzelprobleme hat uns in der Summe dahin geführt, wo wir heute stehen. Wir sind nicht Maschinen, bei denen kaputte Teile entsorgt und einfach gegen neue eingetauscht werden! Wenn es so weiter geht, werden wir vergeudet.
Deshalb werden wir uns wohl in Zukunft immer mehr mit diesen Schwierigkeiten befassen müssen. Einen Lichtblick gibt es jedoch: Auf den Betriebsversammlungen hat unser Betriebsrat ganz klar gefordert, die bestehenden guten Mitarbeiterpotenziale zu nutzen und diese gezielt einzusetzen. Es gibt also intelligente Lösungen.
Bei Otto stecken noch große Potentiale ... für uns alle!

Peter Grußendorf

 
 
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