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Ausgabe Nr.7
Mai 2004

Neoliberale Welle erreicht nun auch Otto
Betriebsversammlung am 1. März 2004 – Brennpunkt GPO
Betriebsversammlung in den Außenlagern Löhne, Burbach und Ohrdruf
Tarifarbeit 2004 - Einschneidenste Veränderungen seit Bestehen unserer Tarifverträge bahnen sich an.
Mitgliederentwicklung
 
 


Betriebsversammlung am 1. März 2004 – Brennpunkt GPO

Die Betriebsversammlung in der Verwaltung bei Otto war diesmal in vielerlei Hinsicht etwas wirklich Besonderes:

  • Es war die letzte Betriebsversammlung die Karl-Georg Krützfeldt eröffnete und

  • die erste mit Uwe Rost als Betriebsratsvorsitzenden.

  • Die halbe zweite Etage des Gebäudes 1 wurde kurzfristig zur Kongresshalle umfunktioniert und mit 2100 Stühlen bestückt.

  • Statt der sonst anwesenden 300 bis 400 Kolleginnen und Kollegen (Ausnahme war die BV 2002,an der wegen Kürzung der Gratifikation ca. 1100 Menschen teilnahmen) kamen diesmal über 2000 Beschäftigte zu ihrer Betriebsversammlung.

  • Als ver.di Vertreter sprach erstmalig der stellvertretende Landesbezirksleiter und Verhandlungsführer der Hamburger ver.di Tarifkommission Handel

  • Ulrich Meinecke der auch Mitglied im Aufsichtsrat von Otto ist.

  • Ebenfalls erstmals traten zwei Mitglieder des Vorstandes zu einer Betriebsversammlung an.

Mann und Frau konnte also ehrlich gespannt sein!

Herr Dr. Witten und Herr Schrader verwiesen zunächst auf die nach wie vor auf die allgemein schwierige wirtschaftliche Situation der Branche und die von Otto insbesondere. Sie nahmen dann Bezug auf die bereits im Intranet angekündigte Geschäfts-Prozess-Optimierung (GPO): Otto soll demnach schlanker, schneller, einfacher und damit stärker und wettbewerbsfähiger werden. Betriebsbedingte Kündigungen sollen so weit wie möglich ver-mieden werden, ausgeschlossen wurden Sie nicht.
Um diese Ziele zu erreichen kündigten beide Vorstände radikale Veränderungen des Beste-henden an.
Die Frage, wer für den Ist Zustand der Firma Otto verantwortlich ist, wurde nicht angespro-chen.

Kollege Krützfeldt erinnerte zu Recht an abgelaufene Programme, wie „Fit in die 90er“ und „EVH“: „Jedes mal gab es zu Beginn eine große Welle, aber was hat uns das im Ergebnis eigentlich gebracht?“
Spürbare Veränderungen seien ausgeblieben, weil auf dem Informationsweg nach oben al-les schön geredet worden sei.

Er forderte deshalb die Führung auf, eigene Konflikte nicht unter den Teppich zu kehren und warf die Frage auf „Wer gewährleistet uns, dass es diesmal wirklich klappt?“
Kritik am Verhalten einiger Führungskräfte übte auch sein Nachfolger, der neue Betriebs-ratsvorsitzende Uwe Rost. Er forderte Herrn Schrader auf neben wirtschaftlichen Gesichtspunkten auch die sozialen und menschlichen Aspekte im Auge zu behalten.
Der Schwerbehindertenvertreter Joachim Lamps sprach in seinem anschließenden Vortrag neben positiven Entwicklungen auch Probleme an: Bei allem Verständnis für Sparzwänge, hatte er kein Verständnis für die Aussage, dass auch bei der Einstellung von behinderten Auszubildenden gespart werden könne. Das passe nicht zu dem sozialen Anspruch von Otto und widerspräche auch den gesetzlichen Vorgaben.

Auf die schon von Karl-Georg Krützfeldt erwähnte ausgelaufene Standortgarantie für alle Kundencenter ging dann der ver.di Vertreter Ulrich Meinecke noch einmal ein. Er wies darauf hin, dass eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit nicht mit niedrigen Lohnkosten, sonder nur mit qualifizierten und motivierten KC - Mitarbeitern zu erreichen ist, denn Personalreduzierung und Serviceverbesserung sind zwei sich widersprechende Ansätze.

Zu GPO fand Uli Meinecke deutliche Worte. Er forderte den Vorstand auf: „Schaffen sie intel-ligente (Alters-) Teilzeitlösungen, strecken sie betriebswirtschaftlich nötigen Personalabbau so, dass die natürliche Fluktuation ausreicht, lassen sie ihre Personalentwicklung ihre Arbeit gut machen und versprechen sie Ihren Mitarbeitern, dass es keine betriebsbedingten Kündi-gungen geben wird, denn motivierte Mitarbeiter sind das wichtigste und größte Kapital des Unternehmens!“

Der Vorstand kann von seinen Mitarbeitern nicht erwarten, dass Sie einen Prozess voran-treiben der ihre Arbeitsplätze in Frage stellt. Sie können sich nur qualifiziert, angstfrei und damit erfolgversprechend auf GPO einlassen, wenn sie darauf vertrauen können, dass ihnen nicht betriebsbedingt gekündigt wird.
Doch weder Herr Dr. Witten noch Herr Schrader waren auf Nachfrage von Karl-Georg Krütz-feldt bereit, betriebsbedingte Kündigungen definitiv auszuschließen.

Vor diesem Hintergrund ist schwer zu glauben, dass genau die gleiche Führung, die schon im EVH Prozess zu keinem wirklich greifbaren Ergebnis gekommen ist, jetzt die Kompetenz hat, mit Augenmaß und Menschlichkeit den GPO Prozess zu gestalten, zumal sie dabei von einer, wenn auch kleinen so doch berüchtigten Gruppe Arbeitsplätze vernichtender Berater aus dem Haus McKinsey unterstützt wird.
 

 
 
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