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Zwischen Anspruch und
Wirklichkeit:
GeschäftsProzessOptimierung
GPO
soll eine Optimierung von Geschäftsprozessen sein, d.h. durch Anwendung
intelligenter Abläufe, Verknüpfung von Wissen, Vernetzung, Synergien und
ähnlichem, soll unser Unternehmen deutlich schneller, kostengünstiger
und vor allem kundenfreundlicher werden. So weit die Grundannahme.
Hier eine Zusammenfassung der Wahrnehmungen unserer Mitglieder als
kritische Zwischenbilanz der GPO:
Wir sehen, dass in den neuen Strukturen zwar Schnittstellen verbessert,
einige Prozesse beschleunigt, jedoch gleichzeitig bisher optimal
funktionierende Einheiten zerschlagen und vielfach sogar
Entscheidungswege verlängert werden. So wird es z.B. im Vorstandsbereich
IT künftig sogar eine Entscheidungsebene mehr geben. Offen ist jedoch ob
dort - um die Vorgabe der 25 % Einsparung zu erreichen - auf der
Sachbearbeiterebene noch rigoroser gekürzt wird. Eine Optimierung von
Prozessen können wir darin bislang nicht erkennen.
Unsere Annahme ist vielmehr, dass GPO ein reines
Personalreduzierungsprogramm ist, d.h. der Löwenanteil der Kostensenkung
wird im Kern eben nur durch Personalabbau erreicht!
In Zukunft muss mit rund 25% weniger Menschen das gleiche wie bisher
geleistet werden. Und genau hier beginnt die eigentliche
Geschäftsprozessoptimierung: Um nämlich wie bisher mindestens das
gleiche zu leisten, fehlen die Menschen . . . es muss also zwangsläufig
anders gearbeitet werden.
Mit Hilfe der engagierten Kolleginnen und Kollegen bei Otto, kann der
nach der GPO einsetzende Prozess der Selbstregulierung wahrscheinlich
sogar alles reparieren was diese GPO zerschlagen hat und vielleicht auch
ein wirtschaftlicher Erfolg werden. Doch wenn das eintritt, dann nicht
wegen, sondern trotz der Führung, nicht wegen, sondern trotz GPO . . .
eben wegen der vielen engagierten Kolleginnen und Kolle-gen!
Welche eigentliche Aufgabe hat nun McKinsey in diesem Prozess?
Um es gleich vorweg zu nehmen, aus unserer Sicht ist McKinsey die
Generalausrede für die Geschäftsführung. Denn die Otto- Geschäftsführung
setzt den Rahmen um, den die „Fachleute“ von McKinsey gesteckt haben und
wenn das erwartete Ergebnis nicht kommt, steht der Schuldige schon heute
fest: McKinsey. Die Spur die diese „Unternehmensberatung“ hinterlässt,
spricht für sich.
Dagegen haben es Führungskräfte mit sozialer und fachlicher Kompetenz im
GPO Prozess schwer. Ihre Kompetenzen sind zwar in offiziellen Runden
stark gefragt, im GPO - Alltag nehmen wir sie aber kaum mehr wahr. Alle
betroffenen Führungskräfte kämpfen derzeit um ihren Status und um ihre
Jobs - verständ-lich. Diejenigen jedoch, die dabei durch die eigene
soziale und fachliche Kompetenz eher nicht behindert werden, verkaufen
sich nach unseren Beobachtungen am besten und werden wohl gewinnen . . .
ein zweifelhafter Sieg. So ist zu befürchten und leider auch zu
vermuten, dass nach GPO die schon heute kleine Gruppe der Führungskräfte
die nicht nur ihr eigenes Fortkommen sehen, noch kleiner sein wird. Ein
Prozess den wir eher mit dem Begriff „Verdrängungswettbewerb“ verbinden,
jedoch nicht mit der Grund-annahme von GPO!
In einer Situation in der mehr oder weniger jede Kollegin und jeder
Kollege um ihren / seinen Arbeitsplatz fürchten muss sehen wir, dass
auch unser Vorstand, wie leider viele andere in dieser Zeit, die „Gunst
der Stunde“ nutzt um zusätzliches durchzusetzen:
2004 wurde die Tariferhöhung mit allen außertariflichen Zulagen im
Angestelltenbereich verrechnet. Für 2005 ist die Nullrunde für alle
außertariflichen Mitarbeiter (Verträge nach 1994) schon angekündigt. Im
Moment spricht nicht viel dafür, dass die übertariflichen Zulagen
unserer gewerblichen und angestellten Kolleginnen und Kollegen für das
nächste Jahr sicher sind. Ob die übertariflichen Zulagen der KC
Mitarbeiter in den nächsten Jahren mit der Tariferhöhung verrechnet
werden, ist noch unklar.
Eine der (nach sehr vielen Ansprachen durch Kolleginnen und Kollegen)
auch aus unserer Sicht beson-ders peinlichen Entscheidungen, ist die
Streichung des Weinachtstollens für alle Beschäftigten. Dieses hier zu
kommentieren sparen wir uns, gerade wegen des sehr fragwürdigen
Spareffekts. Eine Frage drängt sich insgesamt jedoch immer häufiger auf:
Wird in diesem Unternehmen auch zukünftig noch der eine oder andere
(soziale) Wert seinen Platz haben?
Zusammengefasst von Winfried
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